PHANTASMAGORIE von Deepika Arwind

Mit ihrem Stück PHANTASMAGORIA beleuchtet die südindische Autorin Deepika Arwind den Rechtsruck in der indischen Politik seit 2014. Damals hat eine nationalreligiöse Partei die Führung übernommen, und seitdem herrscht ein politisches Klima der Angst. Hetze z. B. gegen Muslime beherrscht den Diskurs, den die Medien aggressiv verfolgen.

Im Stück lädt ein etablierter Journalist, der den politischen Dialog abseits feindselig-populistischer Töne wieder in den Medien etablieren möchte, zwei politische Gegnerinnen zu einer unabhängig organisierten Debatte. Die Handlung zeigt die Stunde, die beide Frauen zusammen mit zwei weiteren Figuren in einem Raum mit den Vorbereitungen für das Gespräch verbringen. Während die Begegnung zunächst respektvoll und distanziert verläuft, gerät die Situation in der Diskussionsarena draußen zusehends außer Kontrolle, und auch der Austausch zwischen den Akteurinnen wird manipulativer, angespannter und bedrohlicher.

Auch wenn das Stück in Indien angelegt ist, verzichtet es bewusst auf konkrete Bezüge oder existierende Orte, Parteien, Namen, um den weltweiten Rechtsruck zu reflektieren, den wir seit Jahren erleben.

Den dichten Text mit seinen starken Figuren stellt im April 2021 das Münchner GLOBAL-Festival des Teamtheaters Tankstelle zusammen mit anderen Texten aus der bayrischen Partnerregion Karnataka in Indien vor. Die Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche stammt von Bochert Translations und wird unterstützt von der Indischen Botschaft Berlin und dem Indian Council for Cultural Relations (ICCR).

Deutsche Stimmen der kanadischen Literatur

Singular Plurality – Singulier Pluriel: Übersetzerinnen und Übersetzer stellen in Kurzauftritten ihre Herzensprojekte aus dem kanadischen Englisch und dem kanadischen Französisch zum Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2020/2021 Kanada vor, erzählen etwas über sich und das Land und warum man gerade dieses Buch unbedingt lesen sollte. Eine Reise durch die vielfältige Literaturlandschaft Kanadas mit Theater, Essayistik, Natural Writing, Lyrik, indigener Prosa und Romanen, die berührende, fantasiereiche und spannende Geschichten erzählen, sich mit der Geschichte und der gesellschaftlichen Realität des Landes auseinandersetzen.

THE DELEGATION – Filmdrehbuch

The Delegation | Bild: In Good Company

In Good Company produziert einen neuen Film, in dem eine israelische Delegation Jugendlicher einige Gedenkstätten von KZ und Vernichtungslagern besucht.

Die Übersetzung des Drehbuchs von Asaf Saban aus dem Englischen ins Deutsche stammt von Bochert Translations.

We See You White American Theater

we see you white american theater

Eine Initiative von 300 Theaterkünstler*innen hat im Juni 2020 eine Erklärung veröffentlicht, in der sie sich auf August Wilsons historische Rede von 1996 beziehen und sich an das „Weiße amerikanische Theater“ wenden. Zum Abdruck im Juliheft 2020 des Theatermagazins Theater heute hat Bochert Translation diese Erklärung ins Deutsche übersetzt.

MIDNIGHT MOVIE

von Eve Leigh

Banner der Uraufführung am Royal Court Theatre, London.

Eine einsame Stimme schlaflos vor dem Internet, nachts. Neues Fenster – ein Mann in der Badewanne. Neues Fenster – eine junge Frau in einem Wasserspeicher. Neues Fenster – ein Mädchen auf den Gleisen.

Eve Leighs (Alp-) Traum über die Einsamkeit des Schmerzes, über digitale Körper als (fragwürdige) Freiheit vom eigenen eingeschränkten Körper, über Behinderung, Zugänglichmachung, Zwang und persönliche Freiheit wurde im Dezember am Royal Court Theatre in London uraufgeführt.

Bochert Translations übersetzt dieses faszinierende, neue Stück der britisch-amerikanischen Autorin für den Rowohlt Theater Verlag ins Deutsche.

ANDERS ALS WIR

Ein neues Theaterstück von Karen Malpede

übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Henning Bochert

Nach der Klimaapokalypse
schmieden vier Rebellen einen gewagten Plan,
um etwas Neues auszubrüten:
Wesen, die anders sind als wir.

George Bartenieff und Lisa Birnbaum

Auswahl für „Theater dieser Saison“ der Kritiker*innen der New York Times, Herbst 2019

Die Geburtshelferin Michelle und die Neurowissenschaftlerin Eve leben als Privilegierte unter der „Kuppel“, dem einzigen Ort auf der ansonsten nach „der Flut“ von giftigen Abgasen und Strahlung unbewohnbaren Erde, an dem noch Leben möglich ist, obgleich nur für einige wenige Auserwählte – und unter grauenhaften Bedingungen. Frauen geraten angesichts der gefährdeten Arterhaltung zu Gebärmaschinen. Unwertes Leben wird umgehend zu Nahrung verarbeitet. Zusammen mit Tanaka – der „von weit weg“ kommt und nur hereingelassen wurde, um die Strahlungsintensität draußen in seinen Knochen zu messen – entwickeln die Frauen eine Methode, mit der sie pränatal kortikale Verbindungen herstellen, um den Evolutionssprung zu einer höheren Entwicklungsstufe zu ermöglichen, in der „Herz und Verstand“ verbunden und vereint sind. Mit Opa, Eves Großvater, fliehen sie aus der Kuppel und opfern sich selbst, um diese Wesen einer neuen, höheren Art in der mit ihrem Gleichgewicht ringenden Natur auszutragen und so buchstäblich die Zukunft zu sichern.

Ihre Figuren sind stark und faszinierend, ihre Themen brillant und furchteinflößend und ihre Sprache stets warm und am Ende liebevoll.

– Andrew Solomon, Ex-Vorsitzender des PEN American Centers

Die utopische Vision einer neugestalteten Rasse, die „Anders als wir“ ist: menschlich/nicht-menschliche Hybridwesen, die sich an das lebensfeindliche Gelände außerhalb der Kuppel anpassen und dort überleben können. Malpede bedient sich einer bildreichen Sprache und eindrucksvoller Theaterbilder, die einen dringenden Aufruf für globale Einheit, Fantasie, Transformation und Handeln darstellen.

– Cindy Rosenthal, The Theatre Times

Eine spielerische, dennoch kraftvolle Meditation über dringende philosophische Fragen … Bewusstsein, Sprache, Evolution, Leben und Tod.

– Jo Mispel, Motherhood Later

Zugleich verstörend, surreal und hoffnungsvoll … ein postapokalyptisches Szenario, in dem Überlebende die Möglichkeit haben, die Welt neu zu gestalten … eine großartige Vision, geboren aus der Katastrophe, aber mit Aussicht auf Triumph.

– Eleanor Bader, The Indypendent

Es hinterfragt den Ursprung des Bewusstseins und lebt vom Nervenkitzel, eine bessere Spezies von Menschen zu schaffen … Wird das Flüchtlingsquartett sein gewagtes Ziel erreichen?

– Lena Zeldovitch, Woman Around Town

Karen Malpede

Seit Jahrzehnten und nach 19 Theaterstücken ist die US-amerikanische, ökofeministische Autorin Karen Malpede eine namhafte Größe im amerikanischen Theater. 1995 gründete sie mit ihrem Mann, dem Schauspieler George Bartenieff, die Theater Three Collaborative (1995), um Stücke produzieren können, die aufgrund ihrer Thematik der sozialen Gerechtigkeit sonst nicht und nirgends produziert würden. Ihr letztes Stück Extreme Whether zum Beispiel zeigt, wie Wissenschaftler*innen darum kämpfen, die Wahrheit über den Klimawechsel angesichts des Widerstands der Ölindustrie darzustellen, während ihr früheres Stück Another Life sich um das Folterprogramm der USA drehte. In ihrer gesamten Arbeit setzt sie sich künstlerisch, publizistisch und aktivistisch ein für sozialpolitische Aspekte, für Feminismus, für Klima und Umwelt ein und lehrt am John Jay College of Criminal Justice (New York City).


Mentor beim BDÜ

Das Mentor*innenprogramm des BDÜ, des Bundesverbands der Dolmetscher*innen und Übersetzer*innen, geht mittlerweile ins dritte Jahr. Nach 25 Berufsjahren ist es höchste Zeit, das Wissen weiterzugeben und nachfolgenden Berufseinsteiger*innen die Anfänge nach Kräften zu erleichtern, damit sie nicht dieselben Fehler wieder machen müssen oder zumindest die Chance haben, eigene Fehler zu machen.

Das Programm umfasst sechs Mentees und sechs Mentor*innen. Jeweils ein Dritteljahr lang stehen zwei aus jeder Gruppe im Austausch, ehe sich die Paare neu bestimmt werden, bis nach zwei Jahren alle sich mit allen ausgetauscht haben. Darüber hinaus trifft sich die gesamte Gruppe alle vier Monate, und die Mentor*innen erhalten einmal im Jahr ein Seminar.

Inhaltlich geht es um alles von Ressourcen bis zur notorischen Tarif-/Preisfrage. Berufsversicherungen, Arbeitsplatz, Berufsethos – es wird einfach alles besprochen, was in irgendeiner Weise von Belang ist. Schon bei den ersten Gesprächen wird deutlich: der Lerneffekt ist keine Einbahnstraße, und auch alte Hasen lernen von Anfängern so manchen geschickten Sprung.